Speis: Einkaufen mit Appetit auf Nachhaltigkeit

8. März 2022

Mit gutem Gewissen genießen: Das versprechen nicht nur kalorienreduzierte Lebensmittel, sondern seit bald acht Jahren auch die Macher*innen der Speis Vorchdorf, die hochwertige Lebensmittel direkt von den Erzeuger*innen weiterreicht – an alle mit ethischem und ökologischem Anspruch.

Es war am 1. August 2014, als die Einkaufsgemeinschaft Speis Vorchdorf zum ersten Mal die Tür zu ihrem Lager in der vormaligen Blumenstube Krenmayr im rückwärtigen Teil des Schloss‘ Hochhaus öffnete. Nicht für Laufkundschaft, sondern – so wie heute noch – nur für Mitglieder, die mit ihren Beiträgen gemeinsam für Miete und Betriebskosten aufkommen. Das muss so sein. Erstens, weil Lebensmitteleinkaufsgemeinschaften so funktionieren. Zweitens, weil die Speis sonst keine sogenannte „FoodCoop“, sondern ein Mittelding aus Bio- und Bauernladen wäre. Und drittens, weil an der Speis nur die Hersteller*innen verdienen – und das Klima.

Betrieb in der Speis – immer Freitags von 15 bis 17 Uhr

„Die ursprüngliche Idee ist ganz einfach“, sagt Mitgründerin Eva Etlinger, die seit Herbst in der Vorchdorfer Schulausspeisung den Kochlöffel schwingt. „In dem Kreis, in dem Speis entstanden ist, schauen alle genau auf die Herkunft und Qualität der Lebensmittel, mit denen gekocht wird. Aber niemand hat die Zeit, jede Woche persönlich zu einem Dutzend Direktvermarktern einkaufen zu fahren. Die Speis macht es möglich, dass die Direktvermarkter an eine zentrale Stelle liefern und man sich die weiten Wege spart.“

Kaviar und Spargel

Günstigere Einkaufspreise durch die Abnahme größerer Mengen waren von Anfang an kein Ziel, sondern höchstens eine angenehme Nebenerscheinung. „Die Preise werden von unseren Lieferantinnen und Lieferanten festgelegt und eins zu eins an die Mitglieder weitergegeben“, erklärt Petra Mayrdorfer, die sich Woche für Woche ehrenamtlich in der Speis engagiert: an den Freitagnachmittagen, wenn die Speis von 3 bis 5 Uhr offen hat und im Hintergrund, wenn es um die Kommunikation mit den Lieferpartner*innen oder um die Arbeit am elektronischen Bestellsystem der Speis geht.

Seit einigen Jahren arbeitet nämlich auch die Speis mit der Software, die ein IT-Fachmann von der befreundeten FoodCoop Fairteiler in Scharnstein programmiert hat: Wer als neues Mitglied einsteigen will, registiert sich mit einem Klick auf der Website und hat dann Zugang zum Sortiment. Dieses besteht inzwischen aus rund 500 verschiedenen Artikeln von fast drei Dutzend Hersteller*innen, die überwiegend aus einem Radius von wenigen Kilometern um Vorchdorf kommen.

Der Löwenanteil ist bio, und die Palette ist beeindruckend breit: Sie reicht von Biofisch und Forellenkaviar aus der Grünau über Hirschsalami vom Hongar bis zu Bioware aus Kalki’s Hausfleischerei, Bauernbrot und Gebäck vom Mittern in Vorchdorf bis zu erstklassigem Obst und Gemüse vom Bioapfelhof Stögermayr in Wolfsegg und vom Spargel- und Gemüsehof Berner aus Eferding. Beide beliefern auch mehrere andere EInkaufsgemeinschaften, weshalb Vorchdorf für sie ohnehin auf dem Weg liegt. Außerdem gibt es Biowein, Saft und vielfältige Milchprodukte von Eiersebner Kuhmilch in Roitham, Bioeier und -nudeln von Tragler aus Pettenbach, Wildhuhn aus Vorchdorf, Biomehl und -getreide aus Desslbrunn sowie Biotees und -kräuter aus dem Mühlviertel. „Es ist problemlos möglich, ausschließlich über die Speis einzukaufen“, sind sich Etlinger und Mayrdorfer einig.

Click & collect

Bis Dienstag um Mitternacht müssen die Online-Bestellungen abgeschickt werden. Aus dem Computersystem gehen die Order direkt an die Lieferant*innen, die am Freitag bis 15 Uhr alles frisch liefern. Bis 17 Uhr haben die Mitglieder dann Zeit, ihren Einkauf persönlich abzuholen: nach dem Click-and-collect-Prinzip also. Die Einkäufe werden automatisch von den eingezahlten Einkaufsguthaben der Mitglieder abgezogen. Paare und Mehrpersonenhaushalte steuern darüber hinaus monatlich 6 Euro Mitgliedsbeitrag bei, Singles und Alleinerzieher*innen sind mit 4 Euro im Monat dabei. Davon zahlt die Speis Miete, Betriebskosten und die Servicepauschale für das Online-System.

Massenbewegung ist aus der Speis noch keine geworden, denn das Modell verlangt einfach eine gewisse Disziplin: Spontankäufe sind praktisch ausgeschlossen. Es braucht eine gewisse Vorausschau beim Bestellen für die nächste Woche, und wer die Bestellfrist bis Dienstagnacht verpasst, geht am Freitag leer aus. Auch das Abholzeitfenster von 2 Stunden am Freitagnachmittag ist manchen zu klein.

Dennoch läuft die Speis auch in ihrem achten Jahr rund und zuverlässig. „Corona hat dazu geführt, dass die Mitglieder heute mehr bestellen als je zuvor“, weiß Petra Mayrdorfer. „Während der Lockdowns haben wir unsere Stärken erst so richtig erkannt: Da haben wir alle Bestellungen einzeln in Kisten hergerichtet, die sich die Leute dann im Zehn-Minuten-Takt kontaktlos abgeholt haben.“

Transparenzhinweis: Zwischen dem INVO.report und der Speis gibt es personelle Verflechtungen.

 

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