M.a.D. #2: Könnte der Markt voller Leben einen Mediator brauchen?

31. März 2022
Meinung am Donnerstag

Sie meditieren nicht regelmäßig? Keine Bange, ich will Sie auch nicht dazu überreden, bin ich doch selbst kein wirkliches Medium dafür. Was ich aber einigen, zumindest 37 Vorchdorfern, mit diesem Beitrag vorschlagen möchte, ist eine Mediation.

Das ist ein „strukturiertes, freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung eines Konfliktes, bei dem unabhängige ‚allparteiliche‘ Dritte die Konfliktparteien in ihrem Lösungsprozess begleiten. Die Konfliktparteien … versuchen dabei, zu einer gemeinsamen Vereinbarung zu gelangen, die ihren Bedürfnissen und Interessen entspricht.“ (Wikipedia) Der Mediator entscheidet dabei nicht über den Konflikt, sondern ist nur für das Verfahren verantwortlich.

Mein Interesse für die örtliche Politik ist ja im letzten Jahr so richtig entflammt. An dem beeindruckenden Wahlkampf (mit Betonung auf Kampf) ist ja kaum wer hier im Ort unbehelligt vorbeigekommen. Gräben, über 13 Jahre gegraben, wurden tiefer und ganz sicher nicht zugeschüttet. „Miteinander“ haben zwar viele gesagt, aber das war wohl Wahlkampfrhetorik. Mangels Live-Stream der Gemeinderatssitzungen muss man persönlich vor Ort sein wollen, um die Streitereien und das Gesprächsniveau einmal live erlebt zu haben.

Selbst im Zuge der wirklich beeindruckenden Unterstützung vieler Vorchdorfer*innen für die unschuldigen Kriegsflüchtlinge (Wladimir, es ist ein Krieg und keine Sonderoperation, basta!) wird die Streiterei in diversen Postings auf dem Schlachtfeld Facebook offensichtlich. Dabei würde sich doch gerade diese Krise auch für die Ortspolitik als wirkliche Chance eignen, mehr zusammenzufinden. (Übrigens, Frau Sappls Antwort auf eine diesbezügliche Frage von Arm.In.Wolfff habe ich in dden Kommentaren noch nicht entdeckt!).

In meinem über drei Jahrzehnte dauernden Erwerbsleben war ich einmal in einem größeren Unternehmen tätig, das sich vor allem dadurch ausgezeichnet hat, dass alle Abteilungen miteinander im ständigen Streitmodus waren. Selbst innerhalb der Abteilungen sind sich die Leute teilweise an die Gurgel gegangen. Das Resultat waren über Jahre schlechte wirtschaftliche Unternehmensergebnisse – und das, obwohl der Markt und die Kunden mehr hergegeben hätten.

Das „Unternehmensziel Vorchdorf“ zählt!

Dann kam ein neuer Chef. Der war schlau, hatte rasch den Überblick und verstand, dass er seine Mannschaft nicht mehr einen kann – zu tief waren die Gräben. Er hat sich externe Hilfe geholt: einen Mediator. Es war verblüffend, was ein derartig geschulter Mensch bewirken kann, auch wenn es eine gewisse Zeit brauchte. Heute sind dort nicht alle Best Buddys und gehen auch nicht regelmäßig miteinander auf ein Bier. Aber sie haben zusammen ein Ziel definiert, nämlich ihre Arbeitszeit gemeinsam für den Erfolg des Unternehmens einzusetzen und die Energien nicht sinnlos mit Streit zu vergeuden.

Vorchdorf ist quasi ein kleines Unternehmen. Die einzelnen Fraktionen sind quasi sechs Abteilungen. Die Gemeinderäte repräsentieren die 37 Mitarbeiter des Unternehmens. Der Bürgermeister ist der Chef.

Wäre das Beispiel meines Ex-Arbeitgebers nicht eine Option für die Vorchdorfer Politik? Wäre es nicht erstrebenswert, den Ort gemeinsam weiterzuentwickeln? In der jetzigen Situation halte ich das als außenstehender Zuschauer für sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Hier sind ganz klar Managementqualitäten gefordert – spätestens dann, wenn man merkt, dass man sich in einer Sackgasse befindet. Vor einem Jahr hätte ich dazu sogar eine Person mit Vorchdorfer Wurzeln und Kenntnissen für eine Mediation der Ortspolitik vorschlagen können.

Nur damit eines abschließend klar ist: Ich erwarte mir keinen Kuschelkurs von den Fraktionen im Ort. Es braucht unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen. Aber man muss das Ziel richtig definieren, und das kann nur lauten: Ein Markt voller Leben. Ein Markt mit einer Vision. Ein Markt ohne Streit.

Einen schönen Donnerstag
wünscht Alfred E. Neumann

5 Gedanken zu „M.a.D. #2: Könnte der Markt voller Leben einen Mediator brauchen?

  1. Hans Georg Schloßgangl

    Befremdend! Als Autor eines Kommentars ist es nicht gestattet, anonym zu bleiben! Als Autor eines Beitrages ist es jedoch erlaubt!?

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    1. Michael Praschma Beitragsautor

      Nur zur Erklärung: Die Redaktion erlaubt, unter einem Pseudonym zu schreiben – ausnahmsweise, in Fällen, wo eine Person a) der Redaktion bekannt ist und b) nachvollziehbare Gründe dafür angibt, nicht mit Klarnamen zu erscheinen. Anonyme Zuschriften werden generell nicht veröffentlicht.

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    1. Arm.In.Wolfff

      Lieber Alfred E. Neumann,
      Ihre detaillierte Beschreibung einer Mediation scheint für Herrn Ing. HC leider nicht ausgereicht zu haben. Darf ich daher helfend eingreifen und auf die vollumfängliche Beschreibung verweisen: https://de.wikipedia.org/wiki/Mediation
      Langsames und konzentriertes Lesen könnte auch ihm den Sinn und vor allem die Herangehensweise offenbaren und ihm so den tieferen Sinn Ihres Vorschlages offenbaren.
      Aber wer weiß, vielleicht wollte sich der Gute mit seinem geistreichen Kommentar ja einfach nur in die Mediationsgruppe hineinreklamieren.

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