M.a.D. #9: Früchte oder Fertigteilhaus, das ist hier die Frage

19. Mai 2022
Meinung am Donnerstag

So, am 11. Mai war es dann mal wieder so weit: Unser Markt voller Leben hat sich schon wieder in der Tagespresse wiedergefunden. Wer es verpasst hat, nein, auch diesmal waren es keine positiven News: Die nicht unbedeutende Firmengruppe Etzi-Haus wird also binnen drei Jahren von der A1 an die A9 übersiedeln. Begründet wird das mit der mangelnden Unterstützung der örtlichen Politik. So stand es in einem Kleinformat geschrieben.

Die aktuelle Ansiedlung von verschiedenen Logistikern und den damit wohl verbundenen Lkw-Verkehr habe auch ich an dieser Stelle schon sehr kritisch hinterfragt. Soweit kann die gleichlautende Kritik eines Fertigteilhaus-Geschäftsführers absolut nachvollziehen.

„Traurig, dass es so weit kommen musste“, setzte der örtliche Oppositionsführer der orangen Liste nach und liefert auch gleich die Begründung in Form einer „verfehlten Wirtschaftspolitik und dem Mangel an Leadership des Bürgermeisters“ nach. Wirklich jetzt?

Masseverwalter als Gemeinde-Buddy?

Bekanntermaßen bin ich nur ein einfacher Durchschnittsbürger, der sich aber regelmäßig Fragen stellt, wenn er solche Wortspenden zu lesen bekommt. Vorausschicken möchte ich bei dieser Geschichte, dass mir nicht jedes Detail im Hintergrund bekannt sein kann.
(Vgl. hierzu den redaktionellen Hinweis am Schluss.)

Fakt ist aber, dass eine Fensterfirma im Sommer 2020 leider in den Konkurs geschlittert ist. Fakt ist weiters, dass die erfreuliche Expansion eines Häuslbauers wohl gerne auf diesem Gelände stattgefunden hätte. Wie immer in solchen Fällen, hat ein Masseverwalter im Sinne der Gläubiger für die bestmögliche Verwertung zu sorgen. Es wäre wohl nicht rechtens, würde dieser Masseverwalter dem Bürgermeister einen Gefallen in der Form machen, dass er einen regionalen Interessenten bevorzugen würde. Mit der Verwertung von Konkursmassen sollten sich die Beteiligten ja auskennen. Von daher kann ich die offen geäußerte Forderung nach politischer Unterstützung nicht wirklich nachvollziehen.

Auch in Vorchdorf: Wer zahlt, schafft an

Wenn dann also die Früchtchen aus der Steiermark das Anwesen der Ex-Fensterbauer in Vorchdorf zugesprochen bekommen und nicht der Baumeister aus Pettenbach, dann gehe ich einfach mal davon aus, dass das Angebot aus der grünen Mark besser war. Glaubt man den Gerüchten, lag die Differenz in der Höhe eines durchschnittlichen Doppel-Jackpots im Lotto. Gewonnen haben hier aber ganz sicher die Gläubiger und damit wohl auch örtliche Lieferanten von Wick.

Natürlich ist es mehr als betrüblich, dass der Gemeinde nun 270 Arbeitsplätze abhanden kommen, gar keine Frage! Fragwürdig sind für mich aber die kommunizierten Vorwürfe: Was bitte hätte die Dorfpolitik denn bei einem derartigen Verfahren an Unterstützung geben sollen? Was bitte hat das mit Wirtschaftskompetenz und Leadership zu tun? Daraus dann mal wieder negative Presse für Vorchdorf zu zimmern, ist für mich auf Grund der bisher bekannten Sachlage absolut unverständlich.

Wenn schon von Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein gesprochen wird, dann hätte doch die geballte orange Wirtschaftskompetenz im Ort dafür sorgen können, dass dem abwanderungslustigen Unternehmer alternative Flächen angeboten werden. Schließlich ist es ja egal, wer die besseren Beziehungen zum beleidigten Unternehmer hat, damit der seine Sachen eben nicht packt.

Wer Kinder hat, wird mir zustimmen: Nur weil der Nachwuchs nicht sein Lieblingsspielzeug bekommt, zieht er ja auch nicht gleich von zu Hause aus, oder? Und wenn es statt der Märklin- eine Carrera-Bahn gibt, kehrt dann doch zumeist ein Lächeln zurück. Da in diesem Falle die Kinder aber schon groß sind, machen sie sich einfach vom Acker – was ich eigentlich sehr schade finde. Und wer hat da jetzt die Chance vertan?

Einen schönen Donnerstag
wünscht Alfred E. Neumann

(Redaktioneller Hinweis:)
Firmenchef Max Etzenberger wollte sich nach der Aufregung, die der Artikel in der Kroenenzeitung ausgelöst hatte, nicht mehr öffentlich zu dem Thema äußern. Nach uns vorliegenden Informationen hätte Etzi-Haus allerdings in Vorchdorf, auch auf INKOBA-Gebiet, eine zusammenhängende (!) Fläche wie die vier Hektar in Ried im Traunkreis ohnehin nicht bekommen können, schon gar nicht zu einem Grünland-Preis.

2 Gedanken zu „M.a.D. #9: Früchte oder Fertigteilhaus, das ist hier die Frage

  1. Albert Sprung

    Lieber Alfred E. Neumann,
    mit Begeisterung lese ich Ihre wöchentlich erscheinenden Artikel auf dem invo.report. Eine Leistung, wie hier von Ihrer Seite, gleich der Präzision eines Schweizer Uhrwerks, in absoluter Regelmäßigkeit Beiträge abgeliefert werden. Absolut kritisch und sehr auf den Punkt gebracht werden Themen angesprochen und zerpflückt.
    Und natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis auch ein von uns „Orangen“ vorgebrachtes Thema von Ihnen zerlegt wird.
    Aber man sollte schon bei den Fakten bleiben. So wurde die geballte „orange“ Wirtschaftskompetenz angesprochen, die im Ort dafür hätte sorgen sollen, dass dem abwanderungslustigen Unternehmer alternative Flächen angeboten werden. Nur hat sich die „orange“ politische Bewegung erst Anfang 2021 formiert und wurde dann im Herbst 2021 bei der Gemeinderatswahl zur mandatsmäßig zweitstärksten Fraktion im Vorchdorfer Gemeinderat und damit gemeindepolitisch aktiv. Verantwortung und Verantwortungsbewusstsein brauchen auch Kompetenz. Diese haben wir von den Wählern im Herbst 2021 erhalten. Da war der „Kuchen“ leider schon gegessen. Und jemandem eine Verantwortung zuzuschieben, wofür keine Kompetenz erteilt wurde, das finde ich ganz ehrlich nicht fair.
    Verfehlte Wirtschaftspolitik und der Mangel an Leadership durch den damaligen wie heutigen Gemeindevorsitzenden kann mit mangelndem Weitblick und mangelnder Vision für Vorchdorf als Unternehmensstandort argumentiert werden. Denn die Frage ist schon, ob die Politik in Vorchdorf eine Ausweitung der Betriebszeiten auf 24/7 hätte befürworten müssen. Womit sich die Frage von selbst beantwortet, wie wertvoll eine Liegenschaft mit den bestehenden eingeschränkten Betriebszeiten dann für einen Logistiker gewesen wäre.
    Was leider gänzlich von Ihnen ausgespart wurde, ist die Tatsache, dass Vorchdorf mit der Absiedelung der Etzi-Haus-Firmengruppe mehr Kommunalsteuern verliert, als wir durch das gesamte 22 Hektar große INKOBA Gewerbegebiet in Feldham wieder hereinbekommen. Hier fehlten den Verantwortlichen offenbar nicht nur Weitblick und eine Vision für Vorchdorf, sondern offenbar auch die notwendigen „Volksschul-Rechenkenntnisse“, um sich das auszurechnen.
    Aber bei der ganzen Aufregung sollte man nicht vergessen: Auch wenn ein herausragendes Unternehmen Vorchdorf verlassen wird – was unserer Meinung nach die Lokal-Politik hätte verhindern können – wir haben jetzt ein tolles Unternehmen am ehemaligen Wick-Gelände. Eigentümer und Geschäftsführung durfte ich bereits kennenlernen. Sehr sympathische „Leute“, wie man so sagt, mit einem visionären und sehr innovativen Ansatz, was den Anbau von Obst und Gemüse betrifft. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit hier im Ort und wir heißen sie recht herzlich willkommen.
    In diesem Sinne war es mir eine Ehre und freue ich mich schon auf die nächsten spannenden Wochen und auf Ihre nächsten Artikel auf dem invo.report

    Antworten
    1. Alfred E. Neumann

      Sehr geehrter Herr Sprung,

      vielen Dank für die mehr als schmeichelhaften Worte in der Einleitung! Vorab, ich betone das bereits Geschriebene: Es ist jammerschade, dass der Ort 270 Arbeitsplätze verlieren wird!

      „Früchte oder Fertigteilhaus“ also, womit zwei Vorchdorfer Unternehmen gemeint sind – aber keine Orangen. Ich mache mir Gedanken zu einem Rundumschlag eines unterlegenen Vorchdorfer Unternehmers in der „Krone“, der wohl aufgrund seines deutlich schlechteren Angebots nicht an das Objekt seiner Begierde kam. Sie schreiben von „einem von der LV vorgebrachten Thema“, also haben Sie tatsächlich die Munition für den Redakteur geliefert? Wenn dem so ist, sind einige Ihrer Argumente zu kurz gedacht.
      Ob wer als Schwarzer, Unabhängiger oder Oranger im Gemeinderat sitzt, Gutes für den Ort kann er/sie immer tun. Wirtschaftskompetenz erlangt man sicher nicht mit einem Wahlergebnis. So gesehen wäre es doch jederzeit möglich gewesen, für einen Stimmungsumschwung Ihres Schutzbefohlenen einzutreten: „Albert Sprung (LV) sichert Verbleib von Baumanager“ – wäre das nicht eine irre coole Schlagzeile gewesen – und das nicht nur in der Krone!
      Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, lagen die Passiva von 360 Gläubigern (!!!) der Wick GmbH bei über 10 Mio. Euro. Die Quote des Masseverwalters könnte bei einigen Lieferanten also über Leben oder Sterben entschieden haben. Die Differenz der Angebote von Früchtchen und Fertigteilhaus habe ich mit einem Doppel-Jackpot umschrieben – kann man aber auch mit den Kommunalsteuern für 270 Mitarbeiter über gut 10 Jahre (wenn meine Volksschulrechenkenntnisse mich nicht täuschen) gleichsetzen. Meine Wirtschaftskompetenz flüstert mir, dass kein Masseverwalter auf so viel Geld verzichtet, weil ein Bürgermeister auch nur irgendeinen Wunsch äußert.
      Sie kritisieren die Änderung der Betriebszeiten durch die Politik, da ansonsten die Steirischen Früchte nicht zu uns gekommen wären? Nun, auf Ihrer Website posierten Sie bis vor kurzem stolz beim Spatenstich von Meyer Logistik – und für die Tiefkühl-Preußen waren diese Änderungen kein Kriterium für die Ansiedlung? Glaub´ ich einfach nicht.
      D´accord, in unserer Gemeinde(politik) ist sicher nicht alles gut (sonst hätte ich ja keinen Zweitjob!). Im vorliegenden Falle halte ich die Politik aber eindeutig für eher unschuldig. Seien wir doch realistisch, am Ende des Tage macht ein Unternehmer das, was wirtschaftlich den meisten Sinn macht. Diesen wahren Grund aber auch zu kommunizieren, also, so schlecht ist das Marketing der Austrohäuser doch nicht, oder?
      Bis zum nächsten Donnerstag (einem Feiertag, da haben Sie hoffentlich Zeit zum Lesen, denn es bleibt spannend …)
      lG, Alfred E. Neumann
      P.S. Vergessen Sie bitte nicht, dass uns der Rundumschläger für detailliertere Rückfragen leider nicht zur Verfügung stand – er wird wissen, warum.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.