Ziegelböck-Anbau: „… Und dann das Ding durchziehen“

31. Mai 2022

Wie ist das, in einer der schwierigsten Zeiten für die Gastronomie ein Hotel für einen „niedrigen 7-stelligen Betrag“ baulich zu erweitern? Offenbar geht es, und man kann es nicht nur überleben, sondern auch ganz zufrieden damit sein. Ein Gespräch mit Ingrid und Franz Ziegelböck.

Ziegelböck Inhaber

Leiten seit 2009 Hotel und Gasthaus: Franz und Ingrid Ziegelböck (Foto: hoftaverne.at)

„Der Ziegelböck“ hat gebaut, und das Ergebnis steht inzwischen weitestgehend fertig da. Derzeit läuft es ein sogenanntes „Soft Opening“. Es gibt ein Fotokonzept, das noch realisiert werden muss, Kleinigkeiten sind noch zu machen. Bei einem „Tag der offenen Hoteltür“ im Spätsommer wird das ganze Projekt der Öffentlichkeit und den Firmen präsentiert.

Ein mittleres Wunder, wenn man die nicht nur pandemiebedingten Turbulenzen der letzten Jahre im Baugewerbe verfolgt hat: Im Großen und Ganzen hat alles tadellos funktioniert – mit einigen wenigen Lieferverzügen. Durch den Zubau in einem eigenen Gebäude war der laufende Betrieb kaum beeinträchtigt.

Langer Weg, Ungewissheit, neue Ziele und dann „das Ding durchziehen“

Die Idee, den Hotelbereich der Hoftaverne Ziegelböck zu erweitern, gab es schon 2009, bei der Hausübergabe von den Eltern. Die Geschwister Ingrid und Franz hatten damals in renommierten Hotels Erfahrungen gesammelt. Und klar war, dass der gesamte Betrieb angepasst werden musste. Pläne und Konzepte hat es schon lange gegeben. Immer wieder wurden sie adaptiert.

Ein Plan war z. B., den ganzen Zimmertrakt zu schleifen. Ein kompletter Neubau wäre aber mit einer Unterbrechung des Betriebs auch im Gasthaus verbunden gewesen – das hätte nicht nur Umsatzentgang, sondern wohl auch „Kundenschwund“ bedeutet. Der alte Stadl sollte ursprünglich erhalten bleiben. Dann hätte es aber bei mehr Betten weniger Parkkplätze als zuvor gegeben, stellte sich heraus. Unsicherheiten gab es in verschiedenen Phasen, es war auch schwierig, einen Finanzierungspartner zu finden, aber „Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass wir, wenn wir von etwas überzeugt sind, nicht mehr weiter nach links und rechts schauen, sondern zielgerichtet unser Ding durchziehen.“ meint Ingrid Ziegelböck.

An was man alles denken muss …

Der Mehrbedarf an Betten war bekanntlich schon lange durch die Nähe zur Autobahn, örtliche Firmen und Veranstaltungen gegeben. Konkrete Anforderungen sind aber für jeden Betrieb anders. Die Ziegelböcks haben sich daher weitgehend auf eigene Erfahrungsdaten verlassen, etwa dass die hochwertigeren Zimmer stärker gefragt sind. Teils gab es auch Informationen vom Fachbereich Hotelllerie der Wirtschaftskammer.

Die Hauptzielgruppe für Nächtigungen sind, mit ca. 80 %, Business- und Seminargäste. Sogenannte Freizeitgäste kommen meist mit festen Vorstellungen wie Besuch von Freunden oder Teilnahme an einer Hochzeit. Insgesamt gibt es nun 38 Zimmer in fünf Kategorien.

„Wir haben uns viele Gedanken um die Zimmer und die Hotelausstattung gemacht. Wir bieten unseren Gästen jetzt Zimmer der 4-Sterne Kategorie, jedes davon hat eine Klimaanlage und eine Fläche im Freien. Sogar zwei Junior Suiten können wir jetzt anbieten. Besonders freuen wir uns über einen Fitnessraum und eine kleine, feine Sauna mit Außenbereich, die allen Nächtigungsgästen angeboten wird“, sagt Franz Ziegelböck. Die neue Photovoltaik-Anlage und die vier Ladestationen für Elektrofahrzeuge standen bereits einige Zeit als Idee im Raum.

Die potentiell konkurrierenden, aber meist vagen Projekte Freibad-Hotel und Boardinghaus hätten, so Ziegelböck, die Hotelerweiterung schon deswegen nicht beeinflusst, weil die Planungen bereits vorher ausgereift waren.

Phasen des Zweifels ja, aber: „Man kann sich gar nichts anderes vorstellen.“

Ingrid und Franz Ziegelböck wirken zufrieden. Mit den Mitbewerbern in Vorchdorf und Umgebung gebe es Zusammenarbeit und ein kollegiales Verhältnis; man helfe sich gegenseitig aus.

Und wie funktioniert geschwisterliche Führung? – Sehr gut, meint Ingrid Ziegelböck. Die betrieblichen Schwerpunkte teilen sie sich nach den unterschiedlichen Talenten auf. Sie ist z. B. für die Mitarbeiterführung verantwortlich. Franz übernimmt Unternehmensleitung, Einkauf und alles, was dazugehört, um den Betrieb in Schuss zu halten.

Zusätzlich zu den Ausbildungen sind Führungsqualitäten gefragt. Das größte Ziel ist Professionalität. Die Anforderungen an Management, Führungsqualitäten und Professionalität steigen natürlich mit der Größe des Betriebs. Aber trotz vieler Ungewissheiten: „Man organisiert, was organisiert werden kann.“ Die Selbständigkeit, das Gestalten und die Abwechslung sehen die Ziegelböcks als große Pluspunkte. Man kann sich gar nichts anderes vorstellen.

Corona, Fachkräftemangel und die geforderte Flexibilität

Corona und die Suche nach Fachkräften mit Verständnis für die Branche, das sind Herausforderungen. Mit 15 Mitarbeiterinnen* ist der Personalstand relativ gut, weil niemand in der Coronazeit gekündigt wurde und es Schulungen gab. Trotzdem war die lange Kurzarbeit für alle schwierig. Es werden auch derzeit für sämtliche Bereiche tatkräftige Mitarbeiterinnen gesucht. Dass es dabei primär um den Lohn geht, bezweifelt Ingrid Ziegelböck. Für das Personal würden andere Werte wichtiger als früher, z. B. der Teamgeist, auf den sie stolz seien und der allen Freude mache.

Flexibilität ist in der Gastronomie zunehmend gefordert. Neue Angebote, die in der Corona-Zeit aus der Not heraus entwicklt wurden – Speisen und Getränke zum Mitnehmen, das „Wirtshaus im Glas“ und die Frühstücksboxen – waren so beliebt, dass es sie auch heute noch gibt.

Und um für Mitarbeiterinnen attraktiv zu sein, bastelt die Hoftaverne immer wieder individuelle Lösungen, die für beide Seiten passen, etwa regelmäßig samstags frei, weil das Gasthaus da Ruhetag hat, 4-Tage-Woche, sogar Wohnmöglichkeiten in einer separaten Wohnung. „Wenn jemand bei uns anfängt, dann sind wir auch für neue Vorschläge offen und finden ein individuelles Paket.“ sagt Franz Ziegelböck. In der Gastronomie habe man da ja viele Möglichkeiten.

(* Männer sind immer mitgemeint.)

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