Die Lage der Ukrainer*innen in Vorchdorf

26. Juni 2022


Am 24. Februar 2022 begann Russland einen großangelegten Überfall auf die Ukraine. Bereits am 6. März kamen die ersten Schutzsuchenden in Vorchdorf an und wurden in einem gemeinsamen Kraftakt bestens untergebracht und versorgt. Wie ist die derzeitige Lage in Vorchdorf?

 

Die Flüchtlinge „der ersten Stunde“ konnten leider in Vorchdorf nicht untergebracht werden und fanden Unterkunft im ehemaligen Pfarrheim in Kirchham. Derzeit wohnen 30 ukrainische Schutzsuchende im „Volkshilfehaus“ und bei privaten Quartiergeber*innen. Es sind fast nur Frauen, ca. ein Drittel sind Kinder.

Alle Erwachsenen suchen Arbeit, eine Frau arbeitet schon. Es werden hauptsächlich Tätigkeiten im Gastronomiebereich oder in einer Fabrik angestrebt, weil für die meisten anderen Tätigkeiten die deutsche Sprache und Schrift erst erlernt werden muss.

Die Initiative „Daheim in Vorchdorf“ unterstützt das mit Deutschkursen, die zweimal pro Woche angeboten und von ehrenamtlichen Helfer*innen abgehalten werden. Weiters wird ein vom ÖIF (Österr. Integrationsfond) zertifizierter Intensiv-Deutschkurs namens „Deutsch Startpaket“ in Vorchdorf angeboten. Vier Monate wird an 2–4 Vormittagen jeweils 4 Stunden für das Deutsch-Niveau A1 gelernt.

Jeder hilfsbedürftige Fremde hat Anspruch auf ein Asylverfahren und muss meist lange warten, bis dieses entschieden ist. Davon abweichend hat jede/r Ukrainer*in auf Grundlage der EU-Massenzustromrichtlinie einen Aufenthaltstitel für ein Jahr, auf bis zu drei Jahre verlängerbar, und freien Zugang zum Arbeitsmarkt mit vereinfachtem Bewilligungsverfahren (das bedeutet, dass schon noch Schritte nötig sind, bevor man Arbeit aufnehmen kann).

Dieser Aufenthaltstitel gibt Recht auf Grundversorgung, auf die blaue Vertriebenenkarte und Gesundheitsversorgung. Mit der Vertriebenenkarte kann ein Arbeitsmarktservicetermin vereinbart werden. Ukrainer*innen sind aber von Mindestsicherung und Kinderbetreuungsgeld ausgeschlossen.

Grundversorgung heißt derzeit € 215/Erwachsene und € 100/Kind Verpflegungsgeld und ein Mietzuschuss, der dem Quartiergeber gebührt. Kindergarten ist nur im letzten Jahr kostenlos. Diese Sätze wurden gerade rückwirkend ab 1. März 2022 etwas angehoben. Für Schulkinder gibt es einen Zuschuss von € 100/ Semester.

Man kann sich vorstellen, dass man von diesem Geld schwer alle persönlichen Bedürfnisse befriedigen kann. Deshalb wird auch die Sachspendenausgabe am Samstagvormittag von Vorchdorfer Ukraineflüchtlingen sehr dankbar angenommen, um nicht nur Bekleidung sondern auch Grundnahrungsmittel und Sanitärartikel abzuholen. Daheim in Vorchdorf bittet besonders um die Abgabe von haltbaren Lebensmitteln (Mehl, Reis, Nudeln, Speiseöl, Marmelade, …) jeden Samstag von 9 bis 11 Uhr im ehemaligen Fischgeschäft links vom Vinolino.

Auch viele private Quartiergeben unterstützen ihre Mieter*innen weit über ihre Verpflichtungen hinaus.

Alle Ukrainer*innen möchten gerne arbeiten. Aber wenn Arbeit aufgenommen wird, muss ein Lohnzettel vorgelegt werden, und sobald man über € 110 verdient, wird das Verpflegungsgeld und der Mietzuschuss reduziert. Nicht nur für Mütter ist deshalb eine Arbeitsaufnahme sehr schwierig, weil für Miete und Lebenskosten ein viel höherer Betrag als € 110 nötig ist. Auch Beschäftigung über den „Dienstleistungsscheck“, die für Asylberechtigte möglich sind, sind gesetzlich ausgeschlossen.

Leider wird die großartige Unterstützung der Gemeinde Vorchdorf nicht fortgesetzt, die es nach der großen Fluchtbewegung nach 2015 z. B. ermöglicht hat, dass Asylwerber im Gemeindedienst arbeiten. Auch die anfänglich großangelegte von der Gemeinde unterstützte private Hilfsaktion für die Ukraine fand keine Fortsetzung.

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