Wenn es falsch ist, dann ist es falsch, verdammt!

Kommentar von Michael Praschma
Vorchdorf, 28. März 2021

Obacht, hier geht’s ums Prinzip. Um journalistische Prinzipien genauer gesagt. Dazu gehört, was einen ordentlichen Bericht ausmacht – die Gattung steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Texte.

Wir alle wissen ja, wie man ein kontroverses Thema unparteiisch behandelt: A sagt so, B sagt dazu wiederum so, und das werte Publikum darf sich dazu dann eine Meinung bilden. Nun, wer so schreibt, hat die Kontrolle über den Job verloren. Denn die eigentliche Aufgabe beim Journalismus bleibt dabei leise weinend auf der Strecke. Eine Nachricht enthält alles Denkwürdige, das sich zugetragen hat, wie es schon vor fast 300 Jahren im Titel der Wiener Zeitung hieß. Zugetragen! Das ist nicht dasselbe wie die Äußerungen von A und B dazu.

Die Unsitte, der Menschheit solche Pseudonachrichten aufzutischen hat Gründe. Zum Beispiel, dass es zehnmal länger dauert, die Wahrheit herauszufinden, als erst A und dann B anzurufen. Und diese ehrliche Arbeit bezahlen heute nur noch eine Handvoll sogenannter Qualitätsmedien. Der Rest schreibt Text als Werbeumfeld für die Anzeigenkunden.

Wenn ich jetzt weiß, dass A mir einen Blödsinn erzählt hat, dann zitiere ich ihn – schreibe aber dazu: „Stimmt leider nicht, sondern…“ Ich muss es halt belegen können. Und wenn er mir nichts sagt, obwohl es von öffentlichem Interesse ist, dann mache ich ihm die Hölle heiß. Auch wenn er zwar etwas sagt, aber die Frage nicht beantwortet. Wie das geht, hat der Kabarettist Georg Schramm drastisch, plastisch und in genialer Satire geschildert. Wir haben hier vor, es auch so zu halten.

3 Gedanken zu „Wenn es falsch ist, dann ist es falsch, verdammt!

  1. Lothar Dombrowski

    (Name ist der Redaktion bekannt)
    Georg Schramm, immer ein Meister der intellektuellen Auseinandersetzung und einer, der es perfekt versteht, schwierige Themen mit Verve darzubieten und dem herrschenden Zeitgeist dort zu konfrontieren und kritisieren, wo es für die “Leistungsträger” am unangenehmsten empfunden wird.
    Einer, der sich unter anderem für die in der Gesellschaft sprachlich einsetzt, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind, und für Freiheit, Gleichheit und Menschlichkeit steht.

    Hoffe mein Kommentar ist dem Herrn SPÖ-Fraktionsobmann Peter Haslinger genehm genug, er hat sich ja in seiner Stellungnahme zum Sittenbild im Gemeinderat mokiert. [redakt. gekürzt]

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  2. Pingback: Hugo Portisch – wir greifen mal ganz hoch – INVO.report

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